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"OC DC"
Mit OC DC entwinden sich Get The Blessing wieder einmal dem Königreich der Schubladen. Seit ihrem Debüt mit „All Is Yes“ im Jahr 2008 hat die vierköpfige Band aus Bristol ihren Acker zwischen Jazz und Rock so kraftvoll durchgepflügt, dass sie immer wieder euphorisch mit Bands wie Tortoise oder Polar Bear verglichen wurden. „Bugs In Amber“, das Folgealbum im folgenden Jahr, stärkte die Verbindung zu ihren Fans und zur Kritikerklasse und fegte die Gemarkungsgrenzen und Klischees ein weiteres Mal hinweg. Das Magazin Metro schwärmte: „Manchmal hört man ein Jazz Album und weiß, es würde Grenzen verschieben, wenn es nur nicht als „Jazz“ klassifiziert würde. „Bugs In Amber“ ist so ein Album.“
Vom ausgelassen munteren Titeltrack, der die Dinge in Gang bringt bis zum cinematographischen Trällern von Pentopia zuguterletzt verströmt „OC DC“ mit jeder Wendung neue Fantasie und Energie. „Es ist sowohl esoterischer als auch physischer und sorgfältiger ausgearbeitet“, erklärt der Saxofonist Jake McMurchie, und gleichzeitig unterstreicht das Album die charakteristische Mischung aus starken Melodien, mitreißenden Rhythmen, streng strukturierten Kompositionen und offenherziger Improvisation. Dabei bestellt die Band ein sehr weites Feld: Einflusssphären wie Astronomie, Psychologie, Borges und Ernährung helfen mit die Kraft aufbauen, mit der OC DC den Hörer am Kragen packt und auf einen Trip in die klangliche Wildnis mitnimmt. Der Trompeter Pete Judge ergänzt: „Wir fürchten uns immer weniger, wir selbst zu sein“. Ein Gastauftritt des Portishead Gitarristen Adrian Utley erweitert den musikalischen Horizont. Ein spezielles Highlight des Albums ist der Cameoauftritt der Musikerlegende Robert Wyatt – ein herrlicher, wortloser Choral auf das träge American Meccano, den Wyatt mitsamt Vogelzwitschern und Verkehrsgeräuschen in seinem Studio in Lincolnshire aufgenommen hat.
Mit ihrer Jazz-Vergangenheit gehen Get The Blessing lässig aber entschieden um. Die gemeinsame Liebe zum frühen Quartett von Ornette Coleman prägt von Beginn an die Instrumentierung, und der delikate aber felsenfeste Rhythmus ist die Basis, auf der im Zusammenspiel von Saxofon, Trompete und Kontrabass Melodien und Harmonien entstehen. Als Gegenpol zu den Wurzeln im Jazz wirken die vielen weiteren Einflüsse, denen die Musik von Get The Blessing unterliegt. Schon die Auszeichnung von „All Is Yes“, dem Debüt, mit einem BBC Jazz Award als Best New Album 2008 kommentierte Bassist Jim Barr folgendermaßen: „Wir waren totale Außenseiter, die Punknummer.“ Und der Vergleich mit Punk liegt nah, dafür sorgen die schneidenden Rhythmen, die rockigen Riffs ebenso sehr, wie das verschmitzt bilderstürmerische Auftreten der Band. Dabei verfügt ihre Musik aber über emotionale Wucht und ist ebenso sehr zu delikater Finesse und brachialer Power in der Lage. Doch „schwierig“ ist die Musik des Quartetts keineswegs, sowenig, wie sie „simpel“ ist.
Die popmusikalische Moderne ist daneben ein ebenso solides zweites Spielbein der Band. Das Gespann von Schlagzeuger Clive Deamer und Jim Barr am Bass hat lange Zeit das dunkle Rumpeln und die stotternden Beats unter der aufgeklärten Melancholie von Portishead erzeugt, und Deamer wurde kürzlich von Radiohead für dieses Jahr als zweiter Live-Drummer angeheuert (daneben hat er sich auch in der Zusammenarbeit mit Partnern wie Robert Plant, Roni Size, Hawkwind, Jeff Beck und anderen unentbehrlich gemacht. Doch in der Band macht man sich keine Sorgen. „Sie leihen sich Clive, weil sie hoffen, dann würden sie wie Get The Blessing klingen“, sagt Barr verschmitzt. „Keine Chance!“ |