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"Elements Of Truth"
Vor fünf Jahren stürmte Empirical die britische Jazzszene. Die Zeitschriften Jazzwise und Mojo erklärten das gleichnamige Album zum Besten des Jahres, die BBC verlieh der Band einen Jazz Award als Bestes Ensemble. Und auch als Empirical zwei Jahre später mit Out ’n’ In zu dem Label Naim Jazz wechselte, ging der Reigen der Auszeichnungen weiter. Die Verleihung des renommierten britischen Black Music-Preises MOBO als Best Jazz Act im Oktober 2010, die live im BBC TV übertragen wurde, markierte den bisherigen Gipfelpunkt dieser Entwicklung.
Elements of Truth, das nun vorliegende, dritte Album des Quartetts ist das handwerklich ausgefeilteste wie auch künstlerisch reifste und individuellste Album der Band. Dennoch verlief der Weg von Empirical bei weitem nicht so gradlinig wie es zunächst scheint. Auch im Jazz drängen gute „Stories“ häufig die Qualität der Musik in den HIntergrund. Mit dem Eifer von Revolverblättern nutzte die Fachpresse die Kontroversen um die Trennung von dem Trompeter Jay Phelps und dem Pianisten Kit Downes (dessen anschließendes Soloalbum für einen Mercury Prize nominiert wurde) aus, um am Beispiel von Empirical das Klischee des Künstlers aufzuwärmen, der zwar von einem einzigartig „demokratischen“ Jazzkollektiv träumt, von Gleichberechtigung und ausgewogenen Kräfteverhältnissen, in der Realität jedoch am Gewicht der Utopien scheitert. Hängen bleibt, dass die Bildung eines fortschrittlichen Jazzkollektivs häufig schwerer ist, als sich die Protagonisten vorstellten, und dass manch einer manchmal sein eigenes Ding durchziehen muss.
Mit Elements of Truth kehrt Empirical zu den Wurzeln zurück: zur experimentellen Forschungsarbeit mit dem Ziel des musikalischen Zeitkommentars. Anders als das in einer Dolphy-Welt verharrende Out ’n’ In schafft das neue Album den Raum, in dem die vier Musiker allen Einflüssen aus Film und TV, Sprichwörtern, Redensarten bis hin zur Welt des Sports nachsinnen können. Der Einfluss von Musikern wie Andrew Hill oder Eric Dolphy, Vijay Iyer, Wayne Shorter oder Branford Marsalis ist nicht zu leugnen, doch es ist erst die einzigartige Fähigkeit der vier Musiker, Gefühle und Gedanken durch den Prozess des gemeinschaftlichen Trial and Error der Improvisation eine einzigartige Gestalt zu geben, der die Band so hinreißend macht, wie sie ist.
Die Magie von Elements of Truth beruht auf der Kennerschaft und Erfahrung, die es der Band auf ihrem ersten von A bis Z selbst produzierten Album erlaubt, so lebhaft miteinander zu interagieren. Von den repetitiven Grundmustern des björkartigen Simple Things (komponiert vom Bassisten Tom Farmer) geht die Reise zu der vom Boxkampf abgeschauten Vitalität von In The Grill (vom Saxofonisten Nathaniel Facey); von der von House of Horror inspirierten Taktwechseln von An Ambigious State of Mind (ein Stück, das Farmer als Plattform für den Gastauftritt des jungen Pianisten George Fogel schrieb) geht es weiter zur ätherischen Harmoniefolge des Titelstücks The Element of Truth (mit dem sich der Vibraphonisten Lewis Wright in die Liste der Empirical-Komponisten einschreibt).
Im dritten Kapitel der Bandgeschichte ist Empirical schon weit herum gekommen, von London bis New York, von Montreal bis London hat das Publikum das Quartett mit Standing Ovations gefeiert, und so sehr die vier Mittzwanziger noch am Anfang ihrer Karriere stehen, befinden sie sich im vollen Gange, im Studio wie auf der Bühne. |