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"Uferlos"
Dirk Zöllner – Gesang, Gitarre
André Gensicke – Keyboards, Gesang
Andreas Bayless – Gitarre
Ralf Gustke – Schlagzeug
Oliver Klemp – Bass
David Skip Reinhart – Trompete
Gerald Meier – Posaune
Frank Fritsch – Saxophon
Sonny Thet - Cello
Der Sänger fleht sich mit wunder Stimme die Seele aus dem Leibe, die Gitarre heult mit. Stolpernde Rhythmen illustrieren die Gefühlsverwirrung, das Keyboard malt tröstliche Figuren. Ein Bläsersatz knallt energisch dazwischen, als solle alle Trauer weggefegt werden und Platz gemacht für neues Lieben. Kein Zweifel: Die Zöllner sind zurück. Was 1988 mit einem Paukenschlag begann, findet lustvolle Fortsetzung.
Damals sind Sänger Dirk Zöllner und Keyboarder André Gensicke fürs Vorprogramm von James Brown engagiert. Kurzerhand erweitern sie ihr ein Jahr zuvor gegründetes Duo um Bläser, Funk-Gitarren und Rhythmuseinheit. Die Bigband Die Zöllner ist geboren. Und 70.000 James-Brown-Fans reagieren nicht etwa mit Desinteresse und Ungeduld, wie das Vorbands häufig widerfährt, sondern nehmen diese ungewöhnliche Melange aus wehen Balladen und zum Tanz animierendem Soulgetriebe begeistert auf.
Sie ziehen über die Säle der gerade noch existierenden Republik, und als die ihren sozialistischen Geist aufgibt, erobern sie die alten Bundesländer. Als eine Art Hippie-Kommune, wie Dirk Zöllner später schildert, bereit für jedes Abenteuer. Wir wollten nicht die fetten Gagen, sagt er, wir wollten einfach spielen. Das kommt an, die Fan-Gemeinde wächst mit jedem Konzert. Bigband-Soul und Funk amerikanischer Prägung in Verbindung mit innigen deutschen Texten, in denen der Sänger sein Herz offenbart - das gibt es so kein zweites Mal in Deutschland. Die Kritik lobt, Konzertbesucher feiern, Plattenkäufer bescheren erfreuliche Absatzzahlen.
Dirk Zöllner hätte wohl einfach so weiter machen können. Aber ewig eine Schiene fahren, nur weil sie zum Erfolg führt, das ist seine Sache nicht. 1998 beendet der Sänger und Songschreiber dieses Kapitel, um sich anders zu versuchen. Er spielt mit russischen Emigranten, singt Heine-Gedichte im “Klub der toten Dichter”, einem Projekt von Musiker Max Repke, steht neben Regy Clasen und Rolf Stahlhofen für das SWR-Bigband-Unternehmen „Big Soul“ auf der Bühne. Mit André Herzberg und Dirk Michaelis ruft er „Die 3 HIGHligen“ ins Leben, übernimmt die Titelrolle in der Rockoper „Jesus Christ Superstar“ in Dresden, München und Pforzheim. 2011 etabliert er seine TV-Show fürs Internet „Cafè Größenwahn“, die er gemeinsam mit Gästen bestreitet.
Die Zöllner werden in all den Jahren immer mal wieder zusammen gerufen, um einige wenige Konzerte zu geben. Doch die Zeit der sporadischen Auftritte geht jetzt vorüber. Bei einer Konzertreise durch Israel haben sich Dirk Zöllner, André Gensicke sowie Gitarrist Andreas Bayless und Schlagzeuger Ralf Gustke von den Söhnen Mannheims entschlossen, Die Zöllner endgültig wieder in großer Formation auf die Bühne und ins Studio zu bringen.
„Uferlos“ heißt nun das erste Die-Zöllner-Album nach 15 Jahren CD-Pause, der Titel ist Programm. Die Zöllner lassen einen mächtigen Strom fließen aus Soul und Funk, feiern Songs voll mitreißender Energie, lassen Schmerz und Trauer in ergreifende Balladen fließen. In „Russendisko“ treibt sich ein Akkordeon in den Wahnsinn. Cellist Sonny Thet bringt einen Hauch fernöstliche Exotik ins Soulgebräu. Die Bassisten Jenne Brüssow und Robert Gläser sowie Drummer Ralf Gustke sorgen für rhythmische Vielfalt. Und immer wieder treibt und jubiliert die Bläsersektion wie aus einem Guss und als seien da viel mehr als nur drei Leute am Werk. Wenn Trompete, Posaune und Saxophon etwa den „Schönen Tag“ aufheizen, dann klingt das, als hätten Skip Reinhart, Herr Meier und Fratsch nur darauf gewartet, endlich wieder die Zöllner Horns zu blasen und allen Trübsinn zu vertreiben.
Wenn der Schmerz doch mal gar zu groß wird wie in „Idylle im Krieg“, dann dreht Andreas Bayless ein funkelndes Gitarrensolo hinein, wie selten eines zu hören ist. Keine Geringeren als Regy Clasen, Xavier Naidoo und Edo Zanki sekundieren Dirk Zöllner im aufrüttelnden „Neue Wege“, allesamt ebenfalls große Seelen-Sänger. Beim volksliedhaften Duett „Ein Blut“ schmiegen sich die Stimmen von Dirk Zöllner und Bobo - die einst den „Engel“ von Rammstein veredelt hat - ineinander wie zärtlich Liebende. Im Spottlied „Lalala“ zieht Dirk Zöllner gar HipHop-Register.
Dieses neue Zöllner-Kapitel “Uferlos”, kongenial abgemischt und produziert von Markus Gorstein, verspricht eine lange Dauer, weit über das Jubiläum “25 Jahre Die Zöllner” hinaus, das dieses Jahr gefeiert wird. Die Basis ist beileibe tragfähig genug. |